„Insgesamt war es ein durchwachsenes, sehr schwieriges Jahr“, bilanziert Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamts. Im Jahr 2009 wurden österreichweit 591.597 Strafdelikte verzeichnet. Davon sind 235.760 Fälle endgültig geklärt. Im Vergleich zum letzten Jahr haben die Anzeigen um 3,3 Prozent zugenommen. Die höchste Zuwachsrate von 7,22 Prozent wurde in Wien vermerkt, wo 228.593 Straftaten gemeldet wurden.
Im Brennpunkt der Ermittler liegen nach wie vor die Einbruchsdiebstähle, deren Zahl abermals stark angestiegen ist. Obwohl sich die Exekutive seit dem Vorjahr besonders intensiv auf diesen Bereich konzentriert, ist die Aufklärungsquote weiterhin sehr gering.
Ausländeranteil bei den Strafdelikten
Interessant ist die Verteilung der Strafdelikt-Verdächtigten nach Nationalitäten: Knapp drei Viertel der Verdächtigten besitzen demnach die österreichische Staatsbürgerschaft (welcher Herkunft sie sind, dokumentiert die Statistik freilich nicht), 28 Prozent sind Ausländer. Nach Herkunftsländern aufgeschlüsselt, liegen dabei Deutsche und Serben mit 8.323 bzw. 8.117 Angezeigten an der Spitze, dahinter folgen Türken und Rumänen. Am höchsten ist der Ausländeranteil bei den Einbruchsdiebstählen, die in der Mehrheit auf Nicht-Österreicher zurückgehen. Die Tätergruppen sind nach Aussagen Langs mehrheitlich nicht als sogenannte „Kriminaltouristen“ zu bezeichnen, sondern hätten organisierte „Strukturen“ im Großraum Wien aufgebaut.
Haftzahlen
Die Organisation Neustart kann auch Informationen zu den Haftzahlen liefern. Insgesamt gebe es in Österreich 8.241 Insassen. Davon seien 3.278 Ausländer. Absolut gesehen tragen erwachsene Fremde am meisten zum Anstieg der Haftzahlen bei. Relativ gesehen nimmt die Zahl der ausländischen Jugendlichen in Strafhaft am stärksten zu. Das liegt laut Insidern allerdings auch daran, dass bei ausländischen Jugendlichen häufiger Untersuchungshaft verhängt und weniger zurückhaltend mit freiheitsentziehenden Strafen umgegangen werde als bei inländischen. Der Anteil der Fremden an allen Zugängen zur Untersuchungshaft liegt bei rund 60 Prozent. 50 Prozent der Insassen befinden sich wegen Delikten gegen fremdes Vermögen (17 Prozent davon sind Raubdelikte) in Haft. 34 Prozent der ausländischen Insassen wurden wegen Raubs zu Freiheitsstrafen verurteilt. 277 Türken befinden sich im Vollzug.
Etwas abweichende, aber in der Tendenz ähnliche Zahlen liefert das Justizministerium, das bundesweit 8.363 Inhaftierte nennt. Davon seien 4.532 Insassen Österreicher, die restlichen 3.831 Personen gehörten anderen Nationalitäten an. Davon wiederum seien 463 Insassen Rumänen, 145 Insassen Serben und 224 Insassen Türken.
Die polizeilichen Erfolge
Im Vergleich zu 2008 konnte die Polizei in manchen Bereichen, die noch 2008 als Herausforderungen gesehen wurden, deutliche Erfolge erzielen. Vor allem bei der Jugendkriminalität beobachtete man einen erfreulichen Rückgang, und zwar bei den 10- bis 14-Jährigen um 12,1 Prozent und bei den Jugendlichen unter 18 Jahren um 7,9 Prozent. Am erfolgreichsten war die Polizei bei den Raubüberfällen an Geld- oder Postboten, wo man einen Rückgang von satten 69,9 Prozent verzeichnete. Die Raubüberfälle auf Wettbüros reduzierten sich um 21,5 Prozent, bei Geldinstituten und Postämtern liegt das Minus bei 16 Prozent. Zudem gelang es, die bundesweite Aufklärungsquote um 1,52 Prozentpunkte auf 39,85 Prozent zu steigern.
Beinahe identische Deliktzahl wie 2002
Die Zahl von 591.597 Strafdelikten brachte in den letzten Tagen sogleich allerhand Alarmglocken in Politik und Medien zum Schrillen. Ihnen zum Trotz zeigt eine Langzeitbetrachtung freilich ein deutlich differenziertes Bild der Statistik: 2009 wurden nämlich nahezu gleich viel Fälle angezeigt wie 2002 (591.584). Die Differenz liegt bei heißen 13 Delikten. In den Jahren 2003, 2004, 2005 und 2007 gab es dagegen deutlich mehr Anzeigen als 2009. Lediglich in den Jahren 2008 und 2006 lag die Zahl unter dem Vorjahr. Der große Anstieg der Verbrechenszahl liegt bereits zehn Jahre zurück: Im Jahr 2000 stieg die Quote erstmals markant über 500.000 Delikte und ist seitdem nie wieder unter die magische halbe Million zurückgefallen.
Die Ziele für 2010
Auch 2010 wird sich die Polizei in erster Linie auf die Bereiche Einbruchskriminalität, insbesondere Wohnungs- und Wohnhauseinbruch, Kfz-Diebstahl und Gewaltkriminalität konzentrieren. Des Weiteren hat die Polizei einen „Masterplan Einbruchskriminalität“ ausgearbeitet. Die dabei erstellten Maßnahmen werden konsequent fortgeführt.
Angekündigt ist für das laufende Jahr außerdem ein Projekt „Ursachenforschung zu Gewaltkriminalität“. Im Interview mit der Austria Presse Agentur expliziert Lang, was darunter zu verstehen ist: „Die wenigsten Gewalttaten geschehen spontan. Wir sehen in den einzelnen Einvernahmen, dass dahinter lange Entwicklungsprozesse sind, und da wären auch Chancen für die Gesellschaft, einzugreifen und präventiv zu wirken. Besonders im Bereich Jugendgewalt, aber auch im Bereich von Gewalt in Beziehungssystemen.“ Die Polizei könne hier jedoch nicht isoliert und alleine handeln, angesprochen seien Einrichtungen, die sich um den sozialen Frieden kümmern – „die Jugendämter zum Beispiel, aber auch der ganze Bereich Familie.“
Masterplan Einbruchskriminalität (Quelle: Bundeskriminalamt)
1. Intensivtäterermittlungen
2. Kriminalpolizeiliche Schwerpunktkontrollen und Schwerpunktsetzungen, insbesondere in der Ostregion
3. Sonderkommission Ost (Soko Ost)
4. Sonderkommission Kfz (Soko Kfz)
5. Koordinationsstelle Ost
6. Intensive Ausbildung der Polizistinnen und Polizisten im Bereich der Tatortarbeit
7. Zusätzliche Mittel für die DNA-Auswertung
8. Einführung des „Tatort-Monitorings“
9. Präventionsmaßnahmen
10. Internationale Zusammenarbeit
















