Das ZAMAN Österreich-Team hat sich seit genau zwei Jahren zur Aufgabe gemacht, seinen Lesern allwöchentlich relevante Geschehnisse aus Österreich und der Türkei aus einer differenzierten Perspektive zu präsentieren. Neben interessanten Storys wurden wichtige Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft zu den jeweils aktuellen Themen interviewt. Unsere kulturbezogenen Seiten haben sich auf Gemeinsamkeiten der beiden Gesellschaften konzentriert. Ziel war stets, gegenseitige Vorurteile abzubauen.
Seit Jänner 2008 erscheint ZAMAN Österreich als Wochenzeitung und erreicht immer mehr Leser aus der türkischen und österreichischen Community. Dies ist die 100. Ausgabe – wir feiern zwei Jahre sachliche Berichterstattung, effiziente Kooperationen und das gemeinsame Ziel, auf beiden Seiten vorhandene Vorurteile abzubauen!
Lesen Sie in diesem ersten Teil nach, was ZAMAN in den letzten zwei Jahren bewegt hat.
Ja zu Österreich – Nein zu Sündenböcken
Die Wahlen in Vorarlberg und Oberösterreich brachten politische Erdbeben. Unverrückt blieb eines: Migranten standen wieder einmal im Mittelpunkt der Debatten.
Migranten: Ja zu den Regeln, Nein zur ewigen Thematisierung
Die Menschen mit Migrationshintergrund, die seit Jahren harmonisch in diesem Land leben, sind es äußerst leid, in letzter Zeit bei jeder Diskussion die Sündenböcke abzugeben. Etwa die Hälfte dieser Menschen sind bereits österreichische Staatsbürger. In zwanzig Jahren werden es vielleicht alle sein. Bis dahin werden wahrscheinlich auch die Probleme mit der deutschen Sprache gelöst sein. Das System sollte dann eine Antwort für diese Menschen haben, die Arbeit und soziale Gerechtigkeit von ihm erwarten.
„Von Gastarbeitern zu Neo-Österreichern“ – Die türkische Community in Österreich
Der ehemalige Botschafter der Republik Türkei betonte die Bedeutung einer ehrlichen Debatte über Integration
Förderung der freiwilligen Integration
Integration – in begrifflicher Abgrenzung zur Assimilation, die in Richtung einer gezwungenen Anpassung weise – müsse freiwillig erfolgen, so der Botschafter, doch müsse man manchmal dieser Freiwilligkeit „nachhelfen“. Die Türkei und auch das Gastland, in diesem Fall Österreich, hätten hierbei große Verantwortung zu tragen. Integration hänge aber politisch auch mit dem EU-Beitritt der Türkei zusammen, insofern die Integrationsbereitschaft
einen erheblichen Einfluss auf den Beitrittsprozess übe: „Wenn wir uns hier nicht richtig integrieren, führt dies zu Annahmen, dass Türken anders seien und die Türkei deshalb nicht zur Europäischen Union gehöre. Viele der Argumente gegen einen EU-Beitritt der Türkei rühren von Nicht-Integration her“, so Yenel.
ZAMAN setzt sich für Zusammenleben ein
Bei der traditionellen ZAMAN-Preisverleihung wurden 2008 zum zweiten Mal Personen geehrt, die zum „Zusammenleben in Österreich“ erheblich beigetragen haben.
An der Preisverleihung, die im Wiener Radisson SAS Hotel stattfand, nahmen neben Selim
Yenel, Botschafter der Türkei in Österreich, und seinem aserbaidschanischen Amtskollegen Fuad Ýsmayilov auch Wiens Bürgermeister Dr. Michael Häupl, die Wiener Integrations-
und Frauenstadträtin Sandra Frauenberger sowie Generalkonsul Sedat Önal und Gemeinderätin und Integrationsbeauftragte der ÖVP Wien Mag.a Þirvan Ekici teil. Circa
200 prominente Gäste aus den Bereichen Politik, Kunst, Wirtschaft und Sport gaben sich die Ehre, unter anderem auch Star-Regisseur Robert Dornhelm, der eigens vom Flughafen
zu unserer Veranstaltung kam.
Moscheen – die neuen Sündenböcke der Gesellschaft?
Die „Anti-Islam-Hetze“ nistet sich in Österreich immer mehr ein. Angefangen hat man mit heftigen sozialen und politischen Diskussionen über das Thema Zwangsehen. Anschließend
hat man die angeblich „unterdrückte“ muslimische Frau „mit Kopftuch“ zu erniedrigen versucht. Niederträchtige und empörende Aussagen über den Propheten Mohammed versuchten daraufhin den Islam in ein ungünstiges Licht zu rücken. Moscheen sind längst an der Reihe. Muslime ertappen sich bereits dabei, auf den nächsten Islam-Angriff zu warten.
Fachgemäße und religionsbezogene Aussagen, die von Rabbinern, Pfarrern oder Imamen stammen, besitzen Glaubwürdigkeit. Wenn bestimmte Äußerungen allerdings von ahnungslosen und populistischen Politikern oder Zeitungen gemacht werden, die lediglich auf Stimmen- oder Leserfang aus sind, deutet dies auf deren Unglaubwürdigkeit und fehlende Professionalität hin.
ZAMAN startet mit „Österreich redet 2009“ durch
Vertreter namhafter österreichischer Institutionen und Interessenvertretungen kamen im Festsaal der Wirtschaftskammer Wien zusammen und diskutierten unter dem von ZAMAN Österreich ausgerufenen Motto „Österreich redet 2009“ über den „Beitrag der MigrantInnen zur österreichischen Wirtschaft“.
Laut Statistik leben in Österreich 1,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund.
In der Öffentlichkeit finden sie fast täglich in verschiedener Hinsicht Erwähnung:
Während jedoch Themen wie Sprachprobleme, Schulklassen mit hohem Migrantenanteil oder Gewalt in der Familie in der Politik und den Medien allgegenwärtig sind, wird der wirtschaftliche Beitrag der Migranten, der zu den wichtigsten Aspekten ihres sozialen
Status gehört, selten zur Sprache gebracht. Zu dieser Problemlage hielt ZAMAN Österreich in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Wien, der Arbeiterkammer Wien und dem
österreichischen Integrationsfonds vergangenen Freitag unter dem Motto „Österreich redet 2009“ eine Podiumsdiskussion ab. An der Diskussion nahmen teil Univ.-Prof. Fritz Hausjell (Universität Wien), Seyit Arslan (ZAMAN), Univ.-Prof. Gudrun Biffl (Donau-Universität Krems), Brigitte Jank (Präsidentin Wirtschaftskammer Wien), Herbert Tumpel (Präsident Arbeiterkammer Wien) und Dr. Thomas Karabaczek (APA).
Erdoðan zeigt Haltung in Davos
Ban Ki-moon, der den Eklat beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorvergangene Woche als Diskutant live miterlebt hat, bedauerte, dass er nach der Diskussion keine Gelegenheit hatte, mit Erdoðan zu sprechen. Er hat jedoch persönlich beim türkischen Ministerpräsidenten angerufen, um sein Bedauern über den Vorfall kundzutun.
Er bestätigte, dass die ungerechte Diskussionsführung Erdoðan nicht erlaubt hatte, sich auszudrücken. Noch wichtiger aber war es dem UN-Generalsekretär, zu betonen, dass der Nahe Osten eine äußerst schwierige Periode durchmache und die Region die Führungskraft der Türkei und die Vermittlerrolle der türkischen Vertreter brauche.
Moderatorenvorsorge in Davos
Nach der Krise in Davos hat das Weltwirtschaftsforum beschlossen, bei der Wahl der Moderatoren künftig erhöhte Vorsicht walten zu lassen.
„Erdoðan schrieb Geschichte“
Norman Finkelstein, amerikanischer Professor, Politikwissenschaftler und Autor jüdischer Herkunft, betonte, dass Erdoðans Reaktion in Davos eine „tolle Geste“ war, etwa vergleichbar mit dem Schuhwurf auf George W. Bush: „Erdoðan hat eine ehrenvolle Sache gemacht und die Geschichte wird ihn auch so in Erinnerung behalten. Endlich hat sich ein Staatsoberhaupt gemeldet und für die 400 getöteten Kinder gesprochen“, so Finkelstein.
Österreich-Finale der 7. Internationalen Türkisch-Olympiade
Das Kennenlernen und Erlernen anderer Sprachen ist für ein friedliches Miteinander und die Begegnung der Kulturen essenziell. Oft stellt die Sprache die erste Barriere dar – umgekehrt können einige wenige Worte auch viele Türen öffnen. Die Internationale Türkisch-Olympiade will zur Verständigung einen Beitrag leisten.
„In Österreich sind die Herausforderungen des Zusammenlebens zwischen Menschen unterschiedlichster Kulturen, insbesondere während der letzten Jahrzehnte, intensiver geworden. Für ein tolerantes und respektvolles Miteinander ist ein Kennenlernen von anderen Kulturen im Rahmen gemeinsamer Aktivitäten wesentlich“, heißt es auf der österreichischen Website der 7. Internationalen Türkisch-Olympiade.
Völkerverbindendes Element und der Abbau von Vorurteilen
Das Phönix-Institut für Kultur, Bildung und Sport hat sich entschlossen, einen Beitrag zu Völkerverständigung, Dialog und Integration zu leisten, indem es den Wert der türkischen Sprache in Österreich zu heben und diese allgemein zugänglicher zu machen versucht. So wurde das Konzept der Internationalen Türkisch-Olympiade auch nach Österreich gebracht. Am Sonntag, dem 1. März, wird das Österreich-Finale der 7. Internationalen Türkisch-Olympiade in Wien stattfinden.
Das Konzept der Internationalen Türkisch-Olympiade, die seit 2003 regelmäßig veranstaltet wird, stammt aus der Türkei. Im Mittelpunkt stehen besonders das völkerverbindende Element und der Abbau von Vorurteilen. So nahmen im Premierenjahr 2003 17 verschiedene Nationen teil, fünf Jahre später waren es bereits 110 Nationen. Auch in Deutschland wurde das Konzept erfolgreich eingeführt, die Olympiade findet dort seit 2006 jährlich statt.
60. Frankfurter Buchmesse: „Faszinierend – fertig“
Die 60. Frankfurter Buchmesse ist zu Ende. Die Veranstalter blicken auf eine erfolgreiche
Messe mit 7.373 Ausstellern aus einhundert Ländern zurück. Mit 402.284 Titeln bot man ein Kaleidoskop der internationalen Medienproduktion. Die Türkei war unter dem Motto „Faszinierend farbig“ mit 165 Ständen an der 60. Frankfurter Buchmesse vertreten.
Gül lobt deutschsprachige ZAMAN Österreich-Ausgabe
Der türkische Staatspräsident Dr. Abdullah Gül war nach dem Rundgang durch die Türkei-Foren sichtlich erfreut, als wir ihm über die deutschsprachige Ausgabe unserer Wochenzeitung berichteten.
WKW-Präsidentin Jank zur Finanzkrise: „Österreichische Wirtschaft ist sehr breit aufgestellt“
Die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien Brigitte Jank äußerte sich im Gespräch mit ZAMAN Österreich zur weltweiten Wirtschaftskrise und betonte: „Die österreichischen Finanzdienstleister, also Banken und Versicherungen, haben sich sehr gut geschlagen, weil Österreichs Wirtschaft viel breiter aufgestellt ist. Sie hat ein sehr breites Angebot, die Unternehmen sind nicht so spezialisiert, d. h. wenn eine Sparte schwächer wird, haben diese Unternehmen eine andere Sparte, auf die sie sich stützen können – das ist ein großer Vorteil.“
Türkei/Österreich: „Recht ausgeglichene Handelsbilanz“
Jank betonte auch, dass die Exporte aus Österreich in die Türkei sehr stark sind, während die Importe nahezu auf gleichem Niveau sind. „Die Türkei ist in vielen Bereichen ein Zukunftsmarkt, nicht nur im Handel, sondern auch in der Dienstleistung. Wir exportieren auch im Dienstleistungsmarkt sehr stark. Unter dem Blickwinkel der Finanzkrise wird das auch die Zukunft sein.“
„Türkische Unternehmen wichtiger Teilnehmer unseres Wirtschaftssystems geworden“
„Es gibt zahlreiche große türkische Unternehmen, die wichtige Funktionen in unserer Wirtschaft einnehmen und letztendlich auch unverzichtbar geworden sind. Sie bilden das österreichische Wirtschaftssystem sehr gut ab. Und die vielen kleinen Unternehmen, vor allem in der Wiener Wirtschaft, decken ganz wichtige Bereiche ab, wo es sonst Lücken gäbe“, so Jank, die auch betonte, dass türkische Unternehmen für die Versorgung in der Bevölkerung einen bedeutenden Faktor darstellen.
Wenn Obama Atatürk zitiert
Vorige Woche hatte man den Eindruck, alles drehe sich um die Türkei. Zuerst war das Land Hauptgesprächsstoff beim NATO-Gipfel, anschließend machte es mit der historisch denkbar bedeutenden Reise des US-Präsidenten Barack Obama und der „Allianz der Zivilisationen“ von sich reden.
Den ersten Tag seines Besuchs in der Türkei begann Obama mit einer offiziellen Kranzniederlegung am Mausoleum des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk in Ankara. Im Gästebuch lobte der US-Präsident Atatürk als einen „Mann mit Vision, Hartnäckigkeit und Mut, der die Türkei auf den Weg der Demokratie leitete“. Weiters verwendete er in seinem Eintrag das bekannte Zitat Atatürks, das sich zum Landesslogan entwickelte: „Frieden zu Hause, Frieden in der Welt.“ Als 44. Präsident der Vereinigten Staaten könne er es kaum erwarten, die türkisch-amerikanischen Beziehung zu stärken, die Vision der Türkei als demokratisches und ihrem Volk Hoffnung verheißendes Land zu unterstützen und die Maxime „Frieden zu Hause, Frieden in der Welt“ zu verwirklichen.
Empfang beim türkischen Staatschef
Nach der Kranzniederlegung am Atatürk-Mausoleum wurde Obama vom türkischen Staatschef Abdullah Gül empfangen. Zu seinen Ehren wurden 21 Kanonenschüsse abgegeben, für seine Sicherheit waren Tausende Polizisten im Einsatz.
Obama: „Merhaba asker“
Nachdem Obama die für die offizielle Begrüßung aufgestellten Soldaten auf Türkisch mit „Merhaba asker“ begrüßt und diese ihm mit „Saðol“ geantwortet hatten, war zunächst ein Zweiergespräch mit Abdullah Gül auf dem Programm. Das amerikanische Staatsoberhaupt bekundete auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem Amtskollegen Gül sein Interesse an einer Art „Modell-Partnerschaft“ und betonte: „Dabei können wir nicht nur bewirken, dass wir unsere bilateralen Beziehungen erweitern, sondern eine Verbindung zwischen dem Westen und der islamischen Welt aufbauen. Darauf freue ich mich.“ Dass es ihm ernst ist, zeigte Obama auch auf persönlicher Ebene, indem er dem Staatpräsidenten der Türkei das Du-Wort anbot.
FOTO: OBAMA-GÜL ODER OBAMA-ERDOGAN
Die Wahlen 2008 aus Sicht der Migranten
6,3 Millionen Wahlberechtigte konnten am 28. September ihre Stimme bei der Nationalratswahl abgeben. Das sind 221.676 Stimmen bzw. 3,63 Prozent mehr als bei der Wahl 2006.
FPÖ, ÖVP: Keine Kandidaten mit Migrationshintergrund
Dass in Österreich 1,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben, spiegelt sich in der Politik nach wie vor kaum wider. Während erstmals eine gebürtige Türkin für die Grünen in den neuen Nationalrat einzieht, kandidierte die Wiener Gemeinderätin Nurten Yilmaz für die SPÖ. Ihr Karrieresprung wird jedoch dadurch vereitelt, dass ihrer Partei zehn Mandate verloren gegangen sind. Die Migrationskandidatin der ÖVP sollte die Gemeinderätin Sirvan Ekici werden. Auch ihr Einzug in den neuen Nationalrat wird durch einen Mandatsverlust – die ÖVP hat ein Minus von 16 Plätzen zu verkraften – verhindert. Probleme dieser Art stellen sich bei FPÖ und BZÖ nicht, hatten diese doch Kandidaten mit Migrationshintergrund gar nicht erst aufgestellt.
Wie wählten Personen mit Migrationshintergrund?
Im Wahlkampf buhlten besonders SPÖ, ÖVP und Grüne um die Stimmen der 400.000 Wahlberechtigten aus Zuwandererfamilien. Mit einer besonders Serbien-freundlichen Einstellung (Ablehnung eines unabhängigen Kosovo usw.) punktete die FPÖ vor allem bei den serbischstämmigen Wählern. Einer Vorwahlbefragung des Meinungsforschungsinstituts OGM zufolge lag die SPÖ mit 31 Prozent vorne, gefolgt von der FPÖ mit 23 Prozent (Grüne 17, ÖVP elf und BZÖ zehn Prozent).
Ramadan in Österreich
Wir befinden uns mitten im heiligen Fastenmonat Rama¬dan. Dieser bedeutet für praktizierende Muslime auf der ganzen Welt eine Unterbrechung jeglicher Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr zwischen Son¬nenaufgang und Sonnenuntergang. Auch in Öster¬reich begehen zahlreiche Muslime diesen für sie heiligen Monat. ZAMAN Österreich sprach mit Jung und Alt über Ramadan in Österreich einst und jetzt.
„EIN TOLLES GEFÜHL“
Ayse K. erzählt uns, was ihr in diesem Monat besondere Freude bereitet hat: „Ich war gleich zu Beginn des Ramadan bei einer sehr netten österreichischen Professorin zu Iftar eingeladen. Sie ist zwar keine Muslimin, aber man ist in Österreich, wie es aussieht, bereits so weit, dass man für muslimische Freunde und Bekannte kocht und diese bei sich bestens bewirtet. Ich muss sagen, das war ein tolles Gefühl.“
„DIE SEHNSUCHT BLEIBT“
Fatma S., die bereits 1972 nach Wien kam, erinnert sich für ZAMAN Öster¬reich an ihre frühe Zeit in Österreich zurück: „In den ersten Jahren kannten wir nur sehr wenige Türken. Die Jahre verliefen traurig und einsam. Doch nun sehe ich mir Wien an und kann sagen, dass ich zwischen einem Ramadan in meiner Heimatstadt und einem hier wenig Unterschied sehe. Es sind schö¬ne gesellige Abende mit gutem Essen und netten Freunden und Bekannten.“ Doch eines sei und bleibe gleich: die Sehnsucht nach den Geschwistern in der Türkei.
HOCHKARÄTIGE IFTAR-EMPFÄNGE
Während die türkische Community in¬terkulturelle Iftar-Abende organisiert, bemühen sich auch Institutionen beider Seiten um das Zusammenkommen in diesem Monat. So laden beispielsweise der Bundespräsident, der Bundeskanz¬ler und der Wiener Bürgermeister Ver-treter der muslimischen Community zu ihren alljährlichen Iftar-Empfängen. Di¬ese sind meist gut besucht.
Auch Moscheen und Vereine sind um die Organisation der schönsten Iftar-A¬bende bemüht. Und auch diverse Dia¬logveranstaltungen finden statt in die¬sem für die Muslime weltweit heiligen Monat.
Der Schweizer Toleranz-Test
Das per Volksabstimmung beschlossene Schweizer Bauverbot für Minarette stößt immer noch weltweit auf schärfste Kritik. Während der Volksentscheid weiter Wellen schlägt, meldeten sich in den letzten Tagen immer mehr Politiker und Meinungsführer der internationalen Arena zu Wort.
Reaktionen aus Österreich
Dr. Fuat Sanaç von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich sagte zu ZAMAN: „Das Verbot ist ein Schlag gegen den Weltfrieden. Wenn heute ein Land über Minarette abstimmt, kann es dann nicht eines Tages über die Abschiebung von Muslimen abstimmen? Es ist eine weitere Unverschämtheit, dass im Anschluss auch international einige Medien über Minarette abgestimmt haben.“ Carla Amina Baghajati sagte zu ZAMAN Österreich über das Schweizer Verbot: „Bei der Schweizer Abstimmung gegen Minarette geht es nicht um konkrete Bauten, sondern um diffuse Ängste. Die Sichtbarkeit des Islam und damit die anschauliche Tatsache, dass Muslime keine Gäste im Lande, sondern längst ein Teil davon sind, lassen alte Feindbilder hochkochen. Wie leicht Populisten irrationales Unbehagen in Hasskampagnen umsetzen, ist zutiefst besorgniserregend. Als Muslime möchten wir die Ängste gerne ausräumen. Aber vernünftige Argumente kommen gegen die ständige Wiederholung von Hetzpropaganda kaum an. Wie oft sollen wir wiederholen: Ein Minarett drückt Gottessehnsucht aus und Würde, aber ist keinesfalls ein Herrschaftsanspruch. Mit dem angeblichen Hegemonialstreben des Islam und vielen anderen Scheinargumenten soll eine moralische Rechtfertigung aufgebaut werden, Muslime ungleich und diskriminierend, voll des Misstrauens zu behandeln.“
Advent, Advent, die Uni brennt – Bildung debattiert
Dank der Aktivitäten rund um das Audimax, den größten Hörsaal der Universität Wien und seit 22. Oktober Kern der Uni-Besetzungen, wurde und wird zurzeit das Wort „Bildung“ auf- und abdiskutiert.
Die Besetzung des Wiener Audimax durch Studierende aller Studienrichtungen wurde hauptsächlich durch die UG-Novelle 09 ausgelöst. Spontane Solidarisierungs-Demonstrationen, basisdemokratische Abstimmungen, eine beeindruckende Homepage, zahlreiche Protestaktionen, zig Arbeitsgruppen, internationale Aufrufe, etliche Solidarisierungserklärungen und respektable Gastreden sind nur einige der zentralen Ereignisse der letzten zwei Monate.
„Doppelmoral“ der österreichischen Medien
Mord an Türken in österreichischer Presse kaum beachtet
Der 70-jährige Þevki Gencer und seine Frau Fatma Gencer wurden vorige Woche in ihrer Wohnung in der Alxingergasse im 10. Wiener Gemeindebezirk Opfer eines Messerattentats ihres Nachbarn Roland K. Während Þevki Gencer nicht mehr gerettet werden konnte, wurde seine Frau mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Roland K., der Freund der Nachbarin, mit der das türkische Ehepaar seit 30 Jahren Tür an Tür wohnte, war laut Angaben der Polizei bereits vor acht Jahren in psychischer Behandlung. Die Verwandten des Opfers gehen von einer rassistisch motivierten Kriminaltat aus. Mehmet Gencer, ein Neffe des Opfers, meinte dazu: „Wir werden im Berufsleben oft Zeuge davon, dass Menschen im alkoholisierten Zustand ihren Rassismus, der in ihrem Unterbewussten liegt, ausleben. Mein Onkel war der einzige Türke im Haus. Wir gehen davon aus, dass diese Tat auf den Rassismus im Unterbewusstsein des Mörders zurückzuführen ist.“
Während die Begräbniszeremonie im ATÝB (Türkisch Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich) bei der türkischen Presse in Österreich reichliche Beachtung fand, fiel auf, dass kein einziges autochthon österreichisches Medium zur Stelle war. ATÝB-Präsident Mehmet Emin Çetin sagte nach dem Begräbnis-Gebet: „Seelisch gestörte Personen können auf die Anders-Machung der Menschen mit Migrationshintergrund durch die Medien mit Gewalt reagieren.“ Ferner sprach Çetin von der Doppelmoral der hiesigen Presse, da über jede einzelne Fehlhandlung von Bürgern ausländischer Abkunft gerne berichtet werde, umgekehrt ein Mord an einem Türken aber kaum Beachtung finde: „Ich wünschte, die österreichische Presse könnte meine Worte jetzt hören. Denn seit Tagen verfolgen wir die Medien und finden kaum Berichte, die über ein Nachbarschaftsdrama hinausgehen. Das kränkt uns.“
Bekannte Persönlichkeiten Österreichs gratulieren ZAMAN zur 100. Ausgabe:
Dr. Michael Häupl:
„Viele beliebte Mehlspeisen in Wien kommen entweder aus Böhmen oder aus der Türkei. Zunächst einmal gratuliere ich euch zu diesem runden Jubiläum, das ist eine großartige Geschichte. Ich freue mich sehr über die Vielfalt der Medien in unserer Stadt und natürlich auch über die Vielfalt der Menschen, die in unserer Stadt leben. Fühlen Sie sich wohl in dieser Stadt – was ich dazu beitragen kann, das mache ich.“
Dr. Hannes Swoboda:
„ZAMAN ist eine sehr wertvolle Informationsquelle und tritt für eine offene und tolerante Gesellschaft ein. Sie unterstützt nicht nur die laufende Vertretung der Beziehungen zwischen Österreich und der Türkei, sondern auch die Integration der aus der Türkei nach Österreich zugewanderten Bevölkerung und aller Familien mit Migrationshintergrund. Ich wünsche ZAMAN noch viele erfolgreiche Jahre!“
Dr. Ernst Strasser:
„ZAMAN ist als internationale Tageszeitung eine Bereicherung der europäischen Medienlandschaft und leistet als türkischstämmige Publikation, die in 28 Ländern und 14 Sprachen veröffentlicht wird, auch einen wesentlichen Beitrag zur Integration und dem besseren Verständnis der Kulturen. 100 Ausgaben von ZAMAN sind inzwischen in Österreich erschienen – 100 Wochen Politik und Nachrichten in Deutsch und Türkisch, 100 Wochen Integration durch Information. Ich gratuliere ZAMAN zum Jubiläum und wünsche weiterhin viel Erfolg!“
Dr. Alexander Janda:
„Medien spielen im Integrationsprozess eine bedeutende Rolle. ZAMAN leistet durch die wöchentlichen Österreich-Ausgaben, und gerade durch den deutschsprachigen Teil, einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit Themen, die Österreich bewegen. Wir gratulieren zur 100. Ausgabe.“
















