Eine von acht Seiten haben wir in den letzten 99 Ausgaben stets der Kultur gewidmet. Hierbei war es uns ein besonderes Anliegen, Gemeinsamkeiten in Architektur, Kunst, Kultur, Sitten und Bräuchen sowie Literatur hervorzuheben. Genießen Sie in diesem Teil einen Rückblick in die von uns gebotenen Kultur-Seiten.
Till Eulenspiegel
Till Eulenspiegel wurde um ca. 1300 bei Braunschweig geboren. Getauft wurde er in der Schlosskapelle seines Taufpaten Till von Uetze. Es existieren keinerlei historische Dokumente, die seine Existenz belegen. Sein Ableben wurde allerdings in Hermann Botes „Weltchronik“ gegen Ende des 15. Jahrhunderts registriert.
In den Volksbüchern wurde er zum Inbegriff des bauernschlauen Bengels, der das einfache Volk und die Standespersonen durch seinen Wortwitz hinters Licht führt. Oft werden Respektspersonen wie zum Beispiel kirchliche Würdenträger und Adelige überlistet. Eulenspiegel zeigt auf satirisch-ironische Art die herrschenden gesellschaftlichen Konventionen auf.
Nasreddin Hoca
Nasreddin Hoca war eine Persönlichkeit, die versuchte, anderen Menschen immer den richtigen Weg, das gute und schöne Verhalten zu zeigen und sie vor schlechten Dingen zu bewahren. Die Anekdoten des weisen Narren heben bestens den anatolischen Wesenszug hervor, nie um eine ironische und scherzhafte Antwort verlegen zu sein. Im 13. Jahrhundert, in dem Nasreddin Hoca lebte, zur Zeit der anatolischen Seldschuken, verbreiteten sich seine Witze und Anekdoten wie ein Lauffeuer über das gesamte Land. Nasreddin Hoca wurde 1208 im Dorf Hortu im Landkreis Sivrihisar in der Provinz Eskiþehir geboren. Er starb 1284 in Akþehir, im südlichen Zentralanatolien, in der Provinz Konya. Sein Vater, der Imam des Dorfes, war Abdullah Efendi, seine Mutter Sýdýka Hatun. Nasreddin Hoca besuchte zunächst die Medrese (religiöse Schule) in Sivrihisar, kehrte jedoch nach dem Tod seines Vaters nach Hortu zurück und wurde wie dieser Imam. 1237 siedelte er sich in Akþehir an und setzte seine Forschung zur islamischen Religion mit Lektionen bei Seyyid Mahmud Hayrani und Seyyid Hacý Ýbrahim fort. Es wird erzählt, dass er in der Medrese unterrichtete und als Kadi (Richter) tätig war. Aufgrund dieser Aufgaben wurde ihm der Name Nasuriddin Hâce verliehen, der später die Form Nasreddin Hoca annahm. Was über sein Leben bekannt ist, ist auch aufgrund der großen Liebe des Volkes zu ihm durch Gerüchte, Übertreibungen und Zuschreibungen geschmückt.
Yakamoz oder „Wenn sich der Mond im Meer spiegelt“
Eine Sprache mittels Crash-Kurses oder einzelner Satzpartikel versuchen kennenzulernen, ist nicht gerade die „genussvollste“ Variante. Ja, die türkische Sprache genießen: darum geht es heute. Türkei- und Türkisch-Liebhaber werden sich erinnern: Eine Jury bestehend aus Journalisten und Schriftstellern kürte das türkische Wort „Yakamoz“ im Rahmen des Jahres der Geisteswissenschaften 2007 zum schönsten Wort der Welt. Unter tausenden von Einsendungen aus rund 60 Nationen ragte „Yakamoz“ besonders hervor, da es einen Zustand zu beschreiben imstande ist, für den man in anderen Sprachen gleich mehrere Substantive benötigt: Wenn sich der Mond im Meer spiegelt. Es tut sich viel auf der Welt rund um die Themen Sprache, Kultur und Dialog. Das Kennen- und Erlernen der türkischen Sprache würde das Tor zu einer unendlich poetischen und traditionsreichen Kultur, Sprache und Literatur öffnen. Anhand vor allem dieser Aspekte ist es möglich, als Neuling die wahre Tiefe und „Seele“ einer Sprache und deren kulturellen Bestand zu erkunden. Es tut sich viel in der türkischsprachigen Welt. Gesprochen von Millionen von Menschen, wird Türkisch an internationalen Schulen weltweit unterrichtet und ist Verführerin einer ungezählten Menge von Türkei-Freunden.
Kalligraphie
Das Wort „Kalligraphie“ stammt aus dem Altgriechischen und leitet sich von „kallos“ für Schönheit und „graphein“ für schreiben ab: die Kunst des Schönschreibens also.
Der Kalligraphie wird kulturhistorisch ein hoher Stellenwert zugeordnet. In vergangenen Zeiten wurde diese Kunst vor allem beim Abschreiben heiliger Texte verwendet. Im Christentum kam die Kalligraphie bei der Kopie der Bibel zur Entfaltung. Auch Texte des Islams wurden in kunstvoller Schrift vervielfältigt. In der chinesischen und der japanischen Schriftkultur reicht die eminente Bedeutung der Kalligraphie bis in die Gegenwart. Im Osmanischen Reich wurde das schöne Schreiben als eine eigene Kunstform angesehen, deren Stile auf eine Jahrhunderte lange Tradition zurückblicken und noch für die heutige türkische Kultur von großer Bedeutung sind.
Nigâr Binti Osman – eine strahlende Legende am Bosporus
Nigâr Binti Osman (1862–1918) gilt als die letzte osmanische Hofdichterin. Sie stammte aus einer ungarischen Familie und beherrschte sieben Sprachen (darunter Arabisch und Persisch). In ihrer Kindheit genoss sie eine fürsorgliche Erziehung und eine profunde humanistische Bildung in einer französischen Schule. Schon von Kindesbeinen an schrieb sie Gedichte, und zeitlebens hing sie der französischen Literatur an. Sie zählte zu den gebildeten, begabten und intelligenten Damen ihrer Zeit. Um die Wende zum 20. Jahrhundert gelangte die türkische Literatur an eine Weggabelung, an der eine neue literarische Richtung entstand. Aber Nigâr Binti Osman zählte – trotz ihres polyglotten Hintergrunds – zu den Wenigen, die sich nicht für diese, sondern für die klassische Diwandichtung entschieden. In späteren Jahren eröffnete sie den ersten europäisch geprägten literarischen Salon in Istanbul. Nigâr Haným, so wurde sie auch von ihrem Umkreis genannt, publizierte ihre Gedichte in der sehr bekannten Zeitschrift „Servet-i Fünun“.
Eine Kostprobe aus Nigâr Binti Osmans Liebesgedichten:
Bin ich wirklich die Frau, die dich inspiriert, sag es heute
Sag mir deine Gedanken, deine Gefühle
Schütte dein Leid, mein Lieber, in mein Herz
Was hat dich verletzt? Sag es noch einmal...
Mevlâna – Das Leben und Wirken des Mevlâna Muhammed Celâleddin-i Rûmî
Celâleddin Muhammed, durch den der Ehrentitel Mevlâna (deutsch: unser Meister) seine ganz spezifische Bedeutung erlangte, wurde am 30. September 1207 in Balkh im Norden des heutigen Afghanistan geboren. Mevlâna Celâleddin Muhammed ist in der ganzen Welt eher unter dem Kurznamen Rumi bekannt, was so viel heißt wie „der aus dem römischen Anatolien“, da man Anatolien einst als das „Land der Rum“ (Römer) bezeichnete. Balkh, eine der bedeutendsten Städte der Region Khorasan, die traditionell für Anatolien eine große Bedeutung hatte, war zur Zeit von Rumis Geburt von den Khwarizm Schahs und davor von den Seldschuken und Ghaznawiden besetzt. Rumis Vater, Bahaaddin Muhammed, bekannt als der Sultan al-Ulama (deutsch: König der Gelehrten), stammte aus einer Familie, die dafür berühmt war, ausgezeichnete Gelehrte und Gnostiker hervorgebracht zu haben. Die historischen Quellen erwähnen so auch frühere bemerkenswerte Persönlichkeiten im Familienstammbaum, doch sind es vor allem Rumi, sein Vater Bahaaddin und sein Sohn Sultan Veled, die in der Geschichte ihre Spuren hinterlassen haben.
Kapalý Çarþý
Kapalý Çarþý heißt im Deutschen „Gro߬er Basar“ oder „Großer gedeckter Basar“ und ist ein Geschäftsviertel im alten Istanbuler Stadtteil Eminönü im Stadtviertel Beyazýt. Das Topkapý-Serail galt einst als das Hirn des Osmanischen Reiches und Kapalý Çarþý als dessen Herz. Der türkische Schriftsteller Evliya Çelebi be¬chrieb Kapalý Çarþý als „eine starke Festung des Osmanischen Reiches“. Im Jahre 1461, acht Jahre nach der Eroberung der Stadt Konstantinopel durch die Osmanen, begann der Bau des Großen Basars. Der damalige Sultan, Fatih Sultan Mehmet, ordnete den Bau zuerst aus Holz an. Kapalý Çarþý besteht aus zwei wichtigen Bedesten (Märkten). Der innere Markt (Cevahir Bedesten), auch Herzkammer des Basars genannt, um¬fasst eine Fläche von 1.336 Quadratmeter. Ursprünglich befanden sich in diesem Teil des Basars 44 Lä¬den, in denen wertvolle Waren wie Samt, Seide, Waffen und Edelsteine verkauft wurden. Eigentlich hätte der innere Markt als eine Schatzkammer fungieren sollen. Zum Teil fungierte er auch als eine solche, weil gegen Entgelt Ersparnisse und Wert¬gegenstände der Bevölkerung aufbewahrt wurden. Aber die Schatzkammer war nicht nur für die Bevölkerung da, sondern diente auch als eine Stadtkasse, wo man Diamanten, Gold, wertvolle Stoffe und Schals, Pelze, Waffen, Teppiche, Geld und weitere Werte des Osmanischen Reiches hortete. Heute ist der Cavahir Bedesten eine Fundgrube für Antiquitäten und traditionellen alten Schmuck.
Erster Roboter ein Osmane?
1889 schickte der japanische Kaiser Meiji Gesandte nach Istanbul, die neben vielen Geschenken auch einen Brief übergaben, in welchem der Sultan gebeten wurde, Informationen über den Islam, die Wissenschaft, technische Entwicklungen und so weiter mitzuteilen. Um auf das Interesse des fernen Kaisers gebührend zu reagieren, erteilte Abdülhamid dem Uhrenmeister Musa Dede den Auftrag, eine einzigartige, nie dagewesene Uhr zu entwickeln, die er in das ferne Ostasien schicken wollte. Er erhielt daraufhin den Vorschlag, die Uhr möge einer Art tanzenden Derwisches ähneln, welcher sich dreht und die Arme öffnet und gleichzeitig läutet. Der Sultan war mit der Idee einverstanden, doch wollte er, dass anstatt eines Uhrenläutens der islamische Gebetsaufruf ertönen möge. Die wenige Jahre zuvor in Europa entwickelte Technik des Grammophons bot dann die Lösung für das gestellte Problem. Das technische Werk, als es endlich vollbracht war, bot sich als lebensgroße, mit Gold und Silber verzierte Figur dar, die zu jeder vollen Stunde tanzte und sich drehte, die Arme hob und den Gebetsruf erschallen ließ.
Kýzkulesi, der Mädchenturm
Ein kleiner Bau, nichtsdestoweniger eines der Wahrzeichen der Stadt, das die Silhouette der Meerenge prägt. Auf Postkarten jeder Zeit, die diese Ecke des Bosporus zeigen, ist dieser Turm zu sehen: Der Leanderturm, der viele Dichter an eine mit Mysterien umhüllte Frau erinnerte, war eine Inspirationsquelle für manchen Künstler. Kýzkulesi (das heißt „Mädchenturm“) ragt auf der asiatischen Seite Istanbuls in Üsküdar ca. 150 bis 200 Meter vor Salacak aus dem Meer in den Himmel. Der erste Bau des architektonischen Werks erfolgte, laut mehreren Quellen, die aber nicht ganz verlässlich sind, 341 v. Chr. Hier soll das eine Ende der großen Kette befestigt worden sein, die bei den Angriffen auf Byzanz über den Bosporus gespannt wurde. Früher hieß der Turm Damalis und Leandros. Die Frau des Königs Kharis von Athen hieß Damalis. Der Turm erhielt ihren Namen, weil sie an diesem Strand begraben wurde. Des Weiteren wurde der Turm in der byzantinischen Zeit Arcla (kleiner Turm) genannt. Nach der osmanischen Eroberung von Istanbul im Jahr 1453 wurde der Turm abgerissen und an dieselbe Stelle ein neuer Turm aus Holz gebaut. Doch 1719 wurde dieser ein Opfer der Flammen. Erst sechs Jahre später, 1725, wurde er erneuert – diesmal wieder aus Mauerwerk.
Yahyâ Kemal Beyatli
Der Dichter Yahyâ Kemal Beyatli (1884–1958) war einer der einflussreichsten und bedeutendsten türkischen Dichter des 20. Jahrhunderts. Den Grund für seinen hohen Stellenwert erläutert der renommierte Literatur- und Sprachwissenschaftler Nihad Sami Banarý: „Yahyâ Kemal nimmt deshalb einen so besonderen Platz in der türkischen Literatur ein, weil er genau jene Aspekte eingehend untersucht hat, die zur Entstehung der türkischen Gesamtkultur führten und diese letztendlich auch ausmachen. Zu erforschen war, wie Heldentum, Edelmut, Tradition, Hingabe und Bescheidenheit sowie Glaube gepaart mit Poesie, Musik und bildenden Künsten das Grundgerüst einer Nation und ihrer Kultur bilden.“
Gedicht:
Von einem Hang sah ich gestern auf dich, heiliges Istanbul!
Nicht ein einziger Ort, von mir nicht gesehen, erkundet und geliebt.
Lass dich nieder, auf dem Thron meines Herzens - so lang ich leb’!
Zu lieben nur einen Teil von dir, ist gar ein ganzes Leben wert…
Viele anmutende Städte gibt es auf der Welt, doch nur du bringst bezaubernde Schönheit allein.
Ich sag’: geträumt hat der, sanft und süß nur, der lang gelebt, entschlafen und geruht in dir…
Von einem Hang sah ich gestern auf dich, heiliges Istanbul!
Ein türkischer Gutenberg: Ibrahim Müteferrika und die Buchdruckkunst
Sein Name wird am häufigsten mit der Gründung der „ersten osmanischen Druckerei“ in Verbindung gebracht. Die Druckerei war für Ibrahim Müteferrika eigentlich nur Mittel zum Zweck, mit dem er seine tatsächliche, aufklärerische Arbeit verwirklichen konnte. Nämlich die Veröffentlichung einer ganzen Reihe von Werken, die oft als geistiges Grundgerüst und als Schriftenkanon einer in eine neue Richtung – nach Europa – weisenden Denkungsart betrachtet werden. In der damaligen Zeit waren Druckereien im Lande ausdrücklich verboten. Doch durch die Unterstützung Said Efenis, nach einem „einsichtigen Rechtsurteil“ (Fatwa) der Hofgeistlichen, gelang es Ibrahim Müteferrika, die besagte Druckerei im eigenen Haus einzurichten. Der Betrieb wurde 1729 mit einem Erlass von Sultan Beyazid II. genehmigt. Nach der Überwindung der rechtlichen Probleme standen freilich erst noch die technischen Schwierigkeiten zur Lösung: nämlich Buchstaben und Druckvorlagen in arabischer Schrift zu besorgen, um mit ihnen osmanische Texte drucken zu können. Müteferrika führte eigenhändig mit importierten Rohstoffen das Modellieren und Informgießen der Buchstaben aus – die schrankgroße Druckmaschine konnte in Betrieb gehen. Die Gründungsnachricht der türkischen Druckerei verbreitete sich in Windeseile in Europa.
Karagöz und Hacivat
Karagöz („Schwarzauge“) ist ein türkisches Schattenspiel, das seinen Namen vom Helden des Spiels bekommen hat. Gemäß dem berühmten türkischen Wanderer Evliya Çelebi wurde dieses Spiel schon im 14. Jahrhundert im Osmanischen Reich vorgeführt.
Die Hauptpersonen des Spiels sind Hacivat und Karagöz. Karagöz vertritt die Moral- und Gerechtigkeitsvorstellungen des Volkes. Hacivat dagegen hat studiert, ist aber nicht zuverlässig, passt sich allem an, spricht osmanisches Türkisch mit poetischen und literarischen Ausdrücken. Es herrschen im Spiel überwiegend satirische Dialoge. Diese Satire zielt mit einer lustigen Art auch auf die Politiker. Die jeweiligen Themen werden mit lustigen Worten untermalt. Doppelbedeutungen, Übertreibungen, Wortspiele und Nachahmungen stellen die unterhaltsamen Seiten des Spiels dar. Das Spiel endet immer mit einem Dialog zwischen Karagöz und Hacivat, in dem das Ende des Spiels verkündet wird und man sich für die Fehler im Spiel entschuldigt.
Das Kasperltheater
Der Kasperl ist der komische Held des Kasperltheaters, eines meist mit Handpuppen gespielten Puppentheaters mit eher naiver Handlung. Es wird angenommen, dass die Rolle des Kasperls unter anderem auf den Hanswurst des Wiener Volkstheaters und auf König Caspar, einen der Heiligen Drei Könige, zurückgeht. Die Puppenfigur Kasperl ist seit Ende des 18. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum sehr beliebt. Das Kasperltheater ist ein dem Märchen vergleichbarer Mikrokosmos mit überschaubaren Verhältnissen, aber deutlich satirischen Zügen. Stilprägend für die Gestaltung der Handpuppen im Kasperltheater des 20. Jahrhunderts wurden die 1921 von Max Jacob im Erzgebirge gegründeten Hohnsteiner Puppenspiele. Max Jacob ersetzte auch den ruppigen und unsittlichen Jahrmarktskasper durch einen eher weisen und pädagogischen Kasper, der vor allem die kleinen Zuschauer zum richtigen Handeln verleiten will. Während des Zweiten Weltkriegs betrieb Max Jacob das Kasperltheater als Fronttheater.
Mimar Sinan
Koca Mimar Sinan Aða wurde am 15. April 1489 in Agirnas bei Kayseri geboren und starb am 17. Juli 1588 in Istanbul. Zu Zeiten der Sultane Selim I., Süleyman I., Selim II. und Murad III. zählte Mimar Sinan zu den bedeutendsten osmanischen Architekten. Seine Werke, die Wohlklang und Harmonie ausstrahlen, gelten als Höhepunkte der klassischen osmanischen Architektur. Seine bemerkenswerte Karriere in der Architektur begann mit dem Bau der Haseki-Hürrem-Sultan-Moschee. Als „Lehrlingsstück“ bezeichnete Mimar Sinan sein erstes Werk, die Sehzade- Moschee in Istanbul, sein „Gesellenstück“ war seiner Meinung nach die Süleymaniye-Moschee in Istanbul, wobei die Selimiye-Moschee in Edirne schließlich als sein „Meisterstück“ galt. Seine großen Erfolge brachten ihm ebenso großen Neid ein, und mit der Zeit entstanden auch einige unfreundliche Gerüchte. So glaubten manche, dass er unfähig sei, Moscheen zu bauen, und nur unnötig Zeit vergeude. Dies bekam auch der Sultan zu hören. Dieser glaubte, was er hörte, und wurde sehr zornig auf seinen Architekten Sinan. So stattete er diesem einen Überraschungsbesuch ab, wobei er ihn beim Rauchen einer Wasserpfeife unter der Kuppel erwischte. Sofort fragte er wütend: „Warum kümmerst du dich nicht um meine Moschee und rauchst stattdessen an einer Wasserpfeife?“ Mimar Sinan zeigte ihm die Wasserpfeife, die keinen Tabak hatte, und antwortete gelassen: „Mit dem Sprudel der Wasserpfeife versuche ich die Akustik in der Moschee zu messen, mein Sultan!“
Adolf Loos
Adolf Loos gilt als Pionier der modernen mitteleuropäischen Architektur. Loos, ein österreichischer und tschechoslowakischer Architekt und Architekturtheoretiker, wurde am 10. Dezember 1870 in Brünn geboren. Er starb am 23. August 1933 in Kalksburg, das heute zu Wien gehört. Sein erstes und bekanntestes großes Bauwerk, das er 1910/11 errichtete, ist das Looshaus am Michaelerplatz. Über dieses Bauwerk entbrannte im In- wie im Ausland eine heftige Diskussion. Es wurde aufgrund seiner ornamentlosen Fassaden scharf kritisiert und das „Haus ohne Augenbrauen“ genannt. „Das Haus hat allen zu gefallen. Zum Unterschiede zum Kunstwerk, das niemandem zu gefallen hat. [...] Das Kunstwerk will die Menschen aus ihrer Bequemlichkeit reißen. Das Haus hat der Bequemlichkeit zu dienen. Das Kunstwerk ist revolutionär, das Haus konservativ“. Mit diesen Worten vertrat er seinen Standpunkt, auf Modernität und Gemütlichkeit seiner Einrichtungen besonderen Wert zu legen. Bei der Modernität war hauptsächlich die Weiterführung der Tradition von großer Bedeutung.
Fuzûlî
Der türkische Diwan-Dichter Fuzûlî wurde im Jahre 1480 in Kerbela als Mehmet bin Süleyman geboren. Fuzûlî war sein Künstlername, mit dem er einen Vergleich zwischen seinen Gedichten und den Gedichten anderer Dichter ermöglichte. Außerdem erwähnte er in seinem persischen Diwan, dass niemand dieses Pseudonym mögen werde. „Fuzûlî“ enthält zweierlei Bedeutungen. Einerseits bedeutet es „unbrauchbar“ und „überflüssig“, andererseits „Tugend“. Bei der Wahl dieses Pseudonyms hegte er die Absicht, aus diesen gegensätzlichen Bedeutungen des Wortes einen Nutzen zu ziehen. In seinen Werken legte er vor allem sein angeeignetes Wissen über die islamischen Wissenschaften anhand von Themen wie Überlieferung, Rechtswissenschaft, Interpretationen und Koranstudium dar. Fuzûlî verfasste seine Gedichte auf Türkisch, Arabisch und Persisch. Typisch für Fuzûlî sind auch Doppelverse, wie dieser: „Wenn ich ich bin, wer bist dann Du, meine Geliebte? Und wenn Du Du bist, wer bin dann ich, ich Unglücklicher?“ Seiner Meinung nach entsteht ein Gedicht aus der Liebe und aus der Wissenschaft: „Alles, was es auf der Welt gibt, ist Liebe und alles, was außerhalb der Liebe ist, ist ein Geschwätz.“ Neben der Liebe führte der Kummer, der aus der Wiedervereinigungssehnsucht und aus der Trennung von der Geliebten hervorging, seine Gedichte zur Vollkommenheit. In seinem Werk „Leyla und Medschnun“ ist diese Vollkommenheit erkennbar. Nicht nur in Gedichten, sondern auch in den Gazelen von Fuzûlî ist diese Vollkommenheit stets ersichtlich. In vielen seiner Gedichte werden die Einheiten Liebe und tiefe Sehnsucht in eine Gemeinsamkeit verhüllt.
Goethe
Goethe war ein sehr fleißiger und wissbegieriger Schüler mit schneller Auffassungsgabe. Schon in jungen Jahren wurde er von Hauslehrern in Latein, Griechisch, Italienisch, Englisch, Hebräisch, Mathematik, Klavierspielen, Fechten, Reiten und Kunst unterrichtet. Bereits zu Lebzeiten galt Johann Wolfgang Goethe als ein weltberühmter Schriftsteller. Seine Werke verloren bislang nichts von ihrer damaligen Aktualität. Goethe erblickte am 28. August 1747 in Frankfurt das Licht der Welt. Mit seinem ersten Drama, dem „Götz von Berlichingen“, erlangte er sofort Berühmtheit und wurde Mitbegründer der Sturm-und-Drang-Epoche, die die deutsche Literatur sehr prägte. Ein weiteres wichtiges Werk von Goethe, „Die Leiden des jungen Werthers“, folgte rasch. Nach diesem Briefroman erlebte Goethe einen Wendepunkt. Er schlug nun eine neue Richtung der Lyrik, die man „Erlebnislyrik“ nennt, ein, die seine eigenen Erlebnisse widerspiegelte. Gleichzeitig äußerte er Grundsätzliches, etwa seine Meinung über die Liebe. Nach seiner Italienreise verliebte er sich in Christiane Vulpius. Mit ihr bekam er fünf Kinder, von denen nur sein Sohn August überlebte. In späteren Jahren zog er sich allmählich zurück und beschäftigte sich hauptsächlich mit Natur- und Farbenforschungen. Außerdem befreundete er sich mit Friedrich von Schiller. Dieser zweite „Klassiker“ war vielleicht sein einziger Freund, der ihn verstehen konnte. Sie arbeiteten gemeinsam an sehr vielen Werken und hatten einen ständigen Briefwechsel. Bevor er am 22. März 1832 an Katarrhalfieber starb, schrieb er seine Lebenswerke, „Faust I“ und „Faust II“, fertig. Johann Wolfgang Goethe erreichte ein perfektes Gleichgewicht zwischen Gefühl und Vernunft, Kreativität und Nützlichkeit.
















