Endlich wurde das berüchtigte „ewige“ Baugerüst aus der Hagia Sophia entfernt. Seit Jahren wurde es sowohl von Museumswärtern, als auch von Touristen, die das 55 Meter lange und 181 Tonnen schwere Gerüst teils als eine Installationsarbeit betrachteten, heiß diskutiert. Nach seiner Entfernung aus dem Innenraum der Hagia Sophia kam die wunderbare Innenkuppel in neuem Glanz zum Vorschein. Die Entfernung des Baubehelfs erfolgte im Rahmen der Arbeiten für die Kulturhauptstadt Istanbul 2010 und wurde mit einer feierlichen Versammlung in dem ehemaligen Gotteshaus begangen. An der Versammlung nahmen Sekib Avdagic, der Vorsitzende der Agentur, die für die Aktivitäten der Kulturhauptstadt zuständig ist, sowie der Ayasofya-Museumsvorsteher Haluk Dursun teil.
Weitere Arbeiten geplant
Seit der Gründung der Agentur treiben Avdagic und seine Mitarbeiter die Renovierung bedeutender historischer Sehenswürdigkeiten voran. „Die Restaurierungsarbeit in der Kuppel wurde von unserer Agentur übernommen, nach Beendigung der Arbeit entfernten wir sofort das Baugerüst. Jedes Jahr wird die Hagia Sophia von zwei bis zweieinhalb Millionen Touristen besucht. Von nun an gibt es für die Besucher eine Schönheit mehr zu besichtigen. Auch für das Äußere des Gebäudes haben wir einige Vorhaben entwickelt, die wir nach der staatlichen Genehmigung sofort in die Tat umsetzen werden“, erklärte Avdagic.
Außerdem will die Agentur auch die im Innenraum prangenden Schrifttafeln, die ein Werk des berühmten Kalligraphen Kazasker Mustafa Izzet Efendi sind, erneuern. Die aus Lindenholz gefertigten Tafeln, die Suren aus dem Koran zeigen, haben einen Durchmesser von sieben Meter. Sie konnten bei der Umwandlung der Moschee in ein Museum im Jahr 1934 nicht durch die Tür gebracht werden und verblieben aus diesem Grund bis heute im Gebäude. Bald werden kleinere Baugerüste innerhalb der Hagia Sophia aufgestellt werden, um diese Beispiele osmanischer Schönschreibkunst ebenso wie die historische Beleuchtung zu restaurieren. Die Agentur hat für all diese Arbeiten ein Budget von drei Millionen Türkischer Lira veranschlagt.
Der Museumsvorsteher Haluk Dursun erwähnte in seiner Rede, dass die Hagia Sophia seit 1473 eine historische Sehenswürdigkeit sei. Die Zeit ist freilich nicht ohne Spuren an dem Bauwerk vorübergegangen. Um die Schäden zu beheben, sei es notwendig, die Restaurierungsarbeiten fortzusetzen. „Zwischen 1847 und 1849 wurde erstmals mit der Restaurierung einer der beiden Engelsfiguren innerhalb des Museums begonnen. Dabei deckte man die Figur komplett ab. Erst 2009 schaffte man es, die Arbeit an der Statue abzuschließen. Im Rahmen der Erneuerungsarbeiten in dem Baudenkmal ist dies ein historisches Ereignis“, so Dursun.
Die Macht der Hagia Sophia
Die erste Vorgängerin der Hagia Sophia wurde 360 n. Chr. erbaut, 415 wurde die Kirche nach einem Großbrand neu errichtet. 537 wurde sie auf Geheiß Justinians I., nachdem sie abermals niedergebrannt worden war, noch einmal von Neuem begonnen. Der Kaiser träumte von einer Kirche, „wie es sie seit Adams Zeiten nicht gegeben hat und wie es sie niemals wieder geben wird“. Nach der Eroberung Istanbuls durch Fatih Sultan Mehmet wurde die Basilika, ein beispielloses Monument der Spätantike, in eine Moschee umgewandelt. Im Osmanischen Reich nahm sie einen wichtigen Platz ein. 1934 wurde die Moschee schließlich zu einem Museum. Unter der Kuppel der Hagia Sophia, sagt man, verliert ein Mensch sein Gefühl für Zeit und Ort. Sie galt als der Tempel des oströmischen Reichs und birgt sowohl bedeutungsvolle Erinnerungen des Propheten Süleyman, als auch von Eyüp Sultan.
















