Das Durchschnittsalter der Bevölkerung Europas wird immer höher und die Jugendgenerationen schrumpfen. Eine Studie zeigt, dass die Jugend in Deutschland und Österreich unter Abhängigkeit, Übergewicht und Einsamkeit leidet und auch die europäischen Statistiken damit anführt.
Anfang 2009 gab es 95 Millionen Personen im Alter von 15 bis 29 Jahren in der EU, etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. Durch Statistiken kann man das Verhalten und bestimmte charakteristische Merkmale im Vergleich mit der älteren Generation aufzeigen. Bei der Studie, die das Statistische Amt der EU, Eurostat, nun veröffentlicht hat, stellte man auch die Unterschiede im Verhalten junger Menschen zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten fest.
Dabei wurden Fragen behandelt wie: Wie alt sind junge Menschen im Durchschnitt, wenn sie das Elternhaus verlassen? Wie unterscheiden sich Arbeitslosenquoten je nach Bildungsniveau? Wie hoch ist der Anteil junger Menschen, die in einem befristeten Vertragsverhältnis arbeiten? Wie oft gehen junge Menschen ins Kino und zu anderen kulturellen Veranstaltungen?
YOUTH IN EUROPE – A statistical portrait
Die Ergebnisse zeigen vielfach, dass sich der Zustand der Jugendlichen in der EU nicht wirklich in eine gute Richtung entwickelt. Aber auch ohne Wertung macht die Studie einige interessante Details sichtbar. So verlassen die Jugendlichen in Österreich ihre Familien am frühesten: Die Burschen starten durchschnittlich im Alter von 25 Jahren ihr eigenes Leben außerhalb des Elternhauses, Mädchen durchschnittlich mit 23. In Deutschland, Frankreich, Finnland und den Niederlanden schaut es in dieser Hinsicht sehr ähnlich aus, in Bulgarien und der Slowakei dagegen liegt das Auszugsalter bei 31,5, in Italien bei 30,9 und in Griechenland bei durchschnittlich 30 Jahren.
Viele Jugendliche Deutschlands leiden unter Einsamkeit
Laut der Untersuchung leben junge Menschen in Deutschland am häufigsten allein. Nur 10 Prozent der Frauen und 7,5 Prozent der Männer im Alter von 15 bis 29 Jahren leben mit einer anderen Person zusammen. Ganz anders schaut es im Vergleich dazu in Frankreich aus. Auch ist die Geburtenrate unter den jungen Deutschen sehr niedrig im Vergleich zu den anderen EU-Staaten: Personen zwischen 25 und 39 wollen im Durchschnitt 2,16 Kinder haben, in der Realität werden es durchschnittlich nur 1,32 Kinder. In Frankreich sind es zwei, in Schweden und in Finnland 1,84. Deutsche Frauen bekommen im Durchschnitt im Alter von 29,1 Jahren ihr erstes Kind.
In Österreich gibt’s sehr viele junge Raucher
Die Jugend in Österreich liegt leider im Rauchverhalten in den Statistiken der Eurostat an erster Stelle. Im Alter von 15 bis 24 rauchen durchschnittlich 41 Prozent der Jugendlichen, im Alter von 25 bis 34 zirka 44 Prozent täglich. In Deutschland sind es 35 Prozent der jungen Personen im Alter von 15 bis 24 und 36 Prozent im Alter von 25 bis 34. In Österreich hängen zudem ungewöhnlich viele schon im Alter von 11 Jahren am Glimmstängel.
Dänische Jugend trinkt am meisten Alkohol
Laut dem Report des ESPAD-Projekts über Trink- und Drogenverhalten von Jugendlichen trinken 70 Prozent der 15- bis 16-jährigen Europäer mindestens einmal pro Jahr Alkohol. Dänemark führt die Spitze mit 94 Prozent an, dicht gefolgt von den tschechischen Jugendlichen mit 93 Prozent und an dritter Stelle den jungen Bürgern Österreichs mit 92 Prozent. Genau die Hälfte, also 50 Prozent der Jugendlichen Österreichs, sind mindestens einmal pro Jahr betrunken. Weit über dem europäischen Durchschnitt liegt Deutschland beim Kokain, das in unserem Nachbarland von 1,7 Prozent der Jugendlichen konsumiert wird.
Jugend in England hat am meisten Übergewicht
In England sind unter den Jugendlichen Europas die meisten Übergewichtigen zu Hause. Auch Deutschland liegt hier schlecht: 26,4 Prozent der 15- bis 24-jährigen Personen Deutschlands leiden unter Übergewicht. Im Alter von 25 bis 34 sind es dann sogar noch mehr, nämlich 42,7 Prozent.
Liebe und Zuneigung kann die Jugend vor Fehlverhalten schützen
Der Psychologe Efkan Yesildag meint zu ZAMAN Österreich, dass beim Verhalten der Jugend die Familien und vor allem das Familienleben die wichtigste Rolle spielen. „Um unsere Jugend besser vor Alkohol und Drogenmissbrauch schützen zu können, sollten vor allem die Eltern immer wieder ihren Kindern zeigen, wie sehr sie sie lieben, und die Jugendlichen und ihre Probleme auch wirklich ernst nehmen. Ich glaube, das Wichtigste ist wirklich, den Kindern auch zuzuhören und, statt ihnen etwas erklären zu versuchen, sie auch einmal verstehen zu wollen.“ Insbesondere, so meint Yesildag, sei es unumgänglich, sich so viel Zeit wie möglich für die Kinder und Jugendlichen zu nehmen.
















