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ZAMAN Österreich im Gespräch

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Im Laufe der letzten zwei Jahre hat das ZAMAN-Österreich-Team mit zahlreichen interessanten Persönlichkeiten aus den Bereichen Politik, Kunst, Kultur, Bildung und Sport gesprochen. Lesen Sie hier eine Auswahl an interessanten Statements unserer Interviewpartner.

Dr. Michael Häupl: „Ich denke, dass es eine vornehme Aufgabe der Politik ist, Menschen ihre Angst zu nehmen. Daher setze ich mich auch ernsthaft damit auseinander. Egal, ob Menschen aus sozialen oder gesundheitlichen Gründen oder weil sie den Eindruck haben, ihr kulturelles Umfeld verändert sich, Angst haben.“

Dr. Christoph Leitl: „Aber wie kann man einen Friedensprozess bewerkstelligen? Indem man die Menschen zusammenbringt, nicht die Regierungen. Wenn man sein Gegenüber kennt, hat man Achtung vor ihm. Achtung, Toleranz und Frieden hängen zusammen.“

Dr. Ernst Strasser: „Wir haben mindestens 300.000 Mitbürger mit Migrationshintergrund. In den allermeisten Fällen – weit über 98 Prozent – sind das außerordentlich fleißige, gut ausgebildete Menschen. Wir respektieren auch ihre Religion. Der Islam ist eine staatlich anerkannte Religion. Wir wissen, dass sie in überwiegendem Ausmaß die europäischen Werte wollen und wahren, und daher sind es vollwertige Staatsbürger, die wie jeder andere Staatsbürger unseren Respekt und auch unsere Unterstützung brauchen.“

Herbert Tumpel: „Nun, falls die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückkehrten, würde die Arbeitslosenrate in Österreich nicht sinken. Ganz im Gegenteil, sie würde steigen. Auf diesem Wege möchte ich mich übrigens bei den fleißigen türkischen Arbeitern recht herzlich bedanken. Gäbe es ihre Unterstützung nicht, stünde Österreich nicht, wo es steht.“

Dr. Hannes Swoboda: „Erfreulich war das Bekenntnis zur Fortsetzung der Reformbemühungen durch alle Spitzenvertreter des türkischen Staates. Besonders zu begrüßen ist die aktive türkische Außenpolitik, die ein wesentlicher Beitrag zu Europas Sicherheit ist.“

Mag. Othmar Karas: „Es haben in beiden Ländern die Menschen Angst. Dieser Weg ist ja nicht unumstritten in der Türkei und genauso auch in Österreich. Aber ich gehöre zu jenen Abgeordneten, die die Beitrittsverhandlungen im Parlament befürwortet haben. Es ist wichtig, dass wir den Reformprozess in der Türkei unterstützen.“

Christian Oxonitsch:
„Sprachdefizite gibt es nicht nur im Bereich der Zuwandererkinder, sondern auch bei vielen österreichischen Kindern. Wir haben festgestellt, dass ein Viertel der Kinder, die Förderbedarf haben, österreichische Kinder sind. Der Vorwurf, es entstehen hier Ausländerklassen, stimmt nicht.“

Carla Amina Baghajati:
„Ich würde mir wünschen, dass wir immer mehr darauf kommen, die Frauenfrage als Frauenfrage zu sehen, und nicht als Frage von muslimischen oder nicht-muslimischen Frauen. Ich habe den Eindruck, dass wir noch vor vielen ungelösten Problemen in der Gleichstellungsfrage stehen.“

Denis E. Mete: „Die Erfahrungen haben gezeigt, dass der Mensch nicht überall und zu jeder Zeit ‚gut funktioniert‘. Er braucht ein Umfeld, das ihn positiv inspiriert, oder um es noch genauer in einem poetischen Wort zu sagen: Wo sind die Ohren, die diese Zunge bewegen, wo sind die Gärten, in deren Schatten man sich vertraut begrüßt? Wir können in einer geeigneten Umgebung eine Sprache wie Muttermilch aufsaugen und wirklich Integration durch uns selbst erfahren. Alles andere ist ein Ausweichen von den grundmenschlichen Bedürfnissen des Kommunizierens und des Wissensdurstes.“

Dr. Alexander Janda: „Der demografische Wandel und der Mangel an Fachkräften machen es notwendig, dass sich die gesamte Gesellschaft mit dem Thema Migration auseinandersetzt. Dabei denke ich nicht nur an den Mangel an Fachkräften im technischen Bereich, sondern etwa auch in der Pflege. Da wird eigentlich jedem deutlich, dass wir ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland nicht auskommen.“

Dr. Alois Kothgasser: „Wenn man einander besser kennenlernt, besteht auch die Chance, dass man einander gut versteht. Da kann man wieder das Gemeinsame entdecken und es besser verwirklichen. Und das ist die Chance für die Menschheit überhaupt. Damit meine ich, die Religionen müssen die Vorreiter sein für ein friedliches, versöhntes und offenes Miteinander der Menschen. Denn das tut allen Menschen gut und bringt ihnen die Zukunft.“

Samir Al-Mobayyed:
„Es wird immer von besserer Integration gesprochen, diese wird aber erst dann stattfinden, wenn alle Gruppen von Studierenden adäquat vertreten sind. Es gibt hier viele Möglichkeiten, etwas zu einem besseren Miteinander beizutragen und die Interessen der Studierenden besser zu vertreten.“

Herbert Prohaska: „Hätte ich noch vor einigen Jahren ein Angebot von Galatasaray Istanbul bekommen, hätte ich es sofort angenommen!“

Mag. Karin Waidhofer: „Es werden oft Äpfel mit Birnen verglichen. Eigentlich sollten wir froh sein, dass wir diese Diversität haben in unserer Gesellschaft. Das macht uns überlebensfähig. Das anerkennt unsere Gesellschaft in Österreich viel zu wenig.“

Mag. Katharina Cortolezis-Schlager: „Bei der Integrationspolitik wird immer das Gefühl geschaffen, es gebe etwas ‚Anderes‘. Ich vertrete die Linie, dass wir wieder zu einem Wir kommen. Wir können nicht ständig in diesen Welten denken und müssen schauen, wie wir als Österreicher und Österreicherinnen wieder zu einem Miteinander kommen.“

Atýl Kutoðlu: „Es ist für mich eine ganz besondere Ehre, eine Brückenfunktion zwischen Österreich und der Türkei einzunehmen.“

Prof. Dr. Karl Aiginger:
„Wenn Länder sehr stark miteinander verbunden sind durch Leute oder Firmen, die einander kennen, dann werden kulturelle Barrieren weniger wichtig und kulturelle Unterschiede auch als Vorteil gesehen. Denn Leute, die man kennt, sind Freunde.“

Prof. Dr. Susanne Heine: „Sich bemühen, Missverständnisse aufzuklären, Feindbilder und Vorurteile abzubauen, ist sehr wichtig. Es müsste noch mehr Austausch zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen stattfinden.“

Bernhard Kerres: „Ich hoffe, dass möglichst viele Menschen – aus den unterschiedlichsten Communities – beginnen, das Wiener Konzerthaus als ihr Haus wahrzunehmen. Musik bewegt. Musik verbindet. Das wollen wir jedem Interessierten ermöglichen.“

Dr. Ursula Struppe: „Die Basis und die Voraussetzung für Integration ist eine gleichberechtigte Teilhabe am wirtschaftlichen, sozialen und politischen Leben. Wie überall auf der Welt sehe ich auch in Wien Probleme, aber diese stammen auf keinen Fall von der Religion. Dank der Medien und populistischer Politiker glauben viele, dass der Islam mit dem Terror einen Zusammenhang hat. Ob sehr viele über die Tradition und Religion des Islam Bescheid wissen, bezweifle ich.“

Dr. Walter Koren: „Geographisch gesehen ist die Türkei ein EU-Land. Wir sehen in der Türkei positive Entwicklungen. Mit ihrer wirtschaftlichen Leistung wird die Türkei die Differenz zum EU-Durchschnitt schnell aufholen können.“

Dr. Elisabeth Hlavac: „Ich wohne zum Beispiel in Döbling, wo sehr viele alte Österreicher
wohnen. Sie streiten auch dauernd über die Waschküche. Das gibt es dort auch. Man sollte es ein bisschen lockerer aufnehmen.“

Dr. Rubina Möhring: „Mein Großvater mütterlicherseits war während der Hitler-Diktatur in Ankara als Architekt tätig. Er hatte Probleme unter dem Naziregime. Er konnte Gott sei Dank in der Türkei leben und arbeiten. Er war ein Gastarbeiter, der die Sprache nicht beherrschte.“

Mag. Christian Ultsch:
„Österreich muss seine Migranten besser integrieren, als es jetzt der Fall ist. Österreich muss Kindern von Migranten Aufstiegschancen ermöglichen. Es gibt auch sehr wenige türkischstämmige Journalisten, die für österreichische Medien arbeiten. Das sollte sich ändern.“

 
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28.01.2010

 
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